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Oder-Biker-Ausfahrt vom 08.08.2021

Route: Brieskow-Finkenheerd - Sachsenhausen

Fahrt nach Sachsenhausen

Wir haben sehr lange darüber nachgedacht, ob wir uns die Gedenkstätte Sachsenhausen ansehen sollten. Wenn man ein emotionaler Mensch ist, kann das Leid, dass in Sachsenhausen zu sehen und zu lesen ist, sehr mitnehmen.

Nachdem wir uns nun entschlossen hatten, die Gedenkstätte zu besuchen, haben wir uns mit den Bikes auf den Weg gemacht. Auf der Landstraße mussten wir reichlich 2 Stunden einplanen, aber wir fahren gern Landstraße.

Es war an diesem Tag zwar nicht heiß, aber äußerst windig, dass es uns auf der Landstraße mächtig hin- und herschob. Aber die Straßen dorthin waren zum größten Teil wunderbar.

Etwa 50 Meter vor dem Eingang der Gedenkstätte parkten wir auf einem sehr großen Parkplatz, an dem gleich Toilettenhäuschen und ein kleines Bistro angrenzten.

Große Wände rahmten den ebenso sehr großen Platz vor der Gedenkstätte ein, dachten wir.

Aber nach dem Informationshäuschen, bei dem wir uns hätten Audioguides mitnehmen können (wir hatten uns dagegen entschieden und wollten lieber lesen), führte noch einmal ein langer Weg zur eigentlichen Gedenkstätte. Der gehörte schon zum KZ Sachsenhausen, denn es war die Lagerstraße, auf der damals die Gefangenen zum KZ liefen.

Das Eingangstor aus Metall enthält den Spruch der Nazis: „Arbeit macht frei“.

Und dann standen wir auf dem Gelände, unfassbar weit, dass wir das Ende kaum sehen konnten. Ein paar einzelne Baracken standen weitläufig verteilt und wie viele andere Besucher marschierten wir zu einer davon, vor der einige Besucher warteten. Nach seeeehr langer Wartezeit, in der ich bereut hatte, keinen Audioguide mitgenommen zu haben, konnten wir die Baracke besichtigen. Rechterhand standen 3-etagige Holzbetten dicht aneinander und eine Informationstafel beschrieb die damaligen Zustände. Häftlinge hatten nicht ein Bett für sich allein. In einem Bett mussten 3 Menschen schlafen. Manchmal nur auf den blanken Holzbalken, manche auf Strohsäcken, auf denen es vor Ungeziefer nur so wimmelte. Neben dem Schlafraum befanden sich die Toiletten, ca. 5-7 Becken in einem 30 cm Abstand. Die Häftlinge durften diese damals nur früh und abends für wenige Minuten benutzen. In dem angrenzenden „Waschraum“ standen 2 große runde Becken, die an Springbrunnen erinnern. Ähnlich dünn kam damals auch das Wasser aus kleinen Löchern. Die Fußwaschplätze daneben haben die SS-Kommandanten teilweise für die Ermordung von Insassen genutzt.

Im linken Teil der Baracke befand sich eine modern eingerichtete Ausstellung mit vielen Bildern, Berichten, originalen Schriftstücken und im Keller gesammelte Reste von Bekleidung.

Wenn ich(wir) über Inhaftierte gelesen habe, die das KZ überlebt haben und als Ärzte noch bis in die 70er Jahre praktizieren konnten, war ich immer wieder sehr erleichtert und habe mich noch im Nachhinein für sie gefreut.

Wieder an der frischen Luft liefen wir zu der nächsten Baracke, weit entfernt, die auch eine Ausstellung vermuten ließ. Auf dem Weg dorthin haben wir uns die eingerahmten Schotterplätze genauer angesehen und festgestellt, dass die Plätze der damaligen vielen vielen anderen Baracken darstellten, alle nummeriert.

Es war ein sehr bewegender Tag, aber ein lohnenswertes Ziel. So etwas darf nicht in Vergessenheit geraten.


Die Borromäische Inseln im Lago Maggiore in Italien